Markus, 4, Heilpädagogische Förderung in der Kita

"In der Kita will kein Kind mit meinem Sohn spielen. Zuhause kann er sich nur schwer alleine beschäftigen. Es ist wirklich anstrengend mit ihm im Moment."
 
Markus ist vier Jahre alt und besucht seit einigen Monaten eine Kindertagesstätte im Kölner Norden. Schon nach wenigen Wochen der Eingewöhnung bemerkten die Erzieherinnen eine zunehmende motorische Unruhe im Gruppengeschehen.
 
Markus kann sich nur sehr kurz auf ein gemeinsames Spiel mit anderen Kindern einlassen, da seine Aufmerksamkeit sehr schnell durch andere Ereignisse in der Gruppe abgelenkt wird. Immer häufiger kommt es zu Streitigkeiten, bei denen Markus sich den anderen Kindern gegenüber sehr aggressiv verhält.
 
Bei der jährlich stattfindenden ärztlichen Untersuchung durch das Gesundheitsamt empfiehlt die Ärztin eine heilpädagogische Gruppenförderung durch das Zentrum für Frühbehandlung und Frühförderung.
                                       
Die Heilpädagogin nimmt daraufhin Kontakt zu Markus´ Mutter auf und lädt sie zu einem ersten Kennen lernen in die Kindertagesstätte ein. Die Mutter erzählt, dass sie sich in den vergangenen Wochen immer größere Sorgen um ihren Sohn gemacht habe. Zuhause habe sein unruhiges Verhalten stark zugenommen und er könne sich nur schlecht alleine beschäftigen. Seit der Trennung von ihrem Mann fühle sie sich durch die Erziehung ihres Sohnes überlastet.
 
Bevor das weitere Vorgehen und die Ziele der Förderung konkret besprochen werden, führt die Heilpädagogin eine Spielbeobachtung und einen Entwicklungstest durch, um die Entwicklungsprobleme einzugrenzen, aber auch um Markus Fähigkeiten und Stärken herauszufinden.
 
Die heilpädagogische Förderung findet von nun an einmal wöchentlich vor Ort in der Turnhalle von Markus´ Kindertagesstätte statt. Die beiden anderen Kinder in der Fördergruppe kennt er schon, da sie die Nachbargruppe besuchen. In der Kleingruppe lernt Markus, Spielabsprachen zu treffen und trainiert seine Konzentrationsfähigkeit. Weil Markus gerne klettert, stellt die Heilpädagogin vielfältige Bewegungsmöglichkeiten für ihn bereit.
 
So kommt Markus jede Woche sehr motiviert in die Förderung. Schnell lernt er, wie wichtig Regeln und Absprachen für das gemeinsame Spiel sind. Zunächst mit Unterstützung, im Verlauf der Förderung zunehmend selbstständig, kann Markus Konflikte immer besser verbal lösen und Spielabsprachen treffen und auch einhalten.
 
Spiele, die eine längere Konzentration erfordern, findet Markus nach wie vor sehr anstrengend. In kleinen Schritten lernt er, neue Strategien zu entwickeln, um störende Außenreize auszublenden. Auf diese Weise hat er auch hier erste Erfolgserlebnisse.
 
Begleitendführt die Heilpädagogin weitere Gespräche mit der Mutter, die in der Regel in der Kindertagesstätte stattfinden. So haben auchdie Erzieherinnen die Möglichkeit, an einigen Gesprächen teilzunehmen. Gemeinsam überlegen sie, wie Markus´ Fortschritte in den Familienalltag übertragen werden können, und wie die Mutter entlastet werden kann. Mit Hilfe kleiner Rituale gelingt es der Mutter, den Alltag besser zu organisieren. Für sich und Markus richtet sie eine spezielle Spielzeit ein. Stolz kann er hier zeigen, was er im Kindergarten schon alles gelernt hat. Außerdem besucht die Mutter im nahe gelegenen Familienzentrum einen Kurs, um Erziehungsstrategien zu erlernen. Kleine „Ruheinseln“, die sie sich regelmäßig schafft, geben ihr Kraft für den Alltag.
 
Durch den regelmäßigen Austausch mit den Erzieherinnen bekommt die Heilpädagogin einen guten Eindruck von Markus´ Verhalten, seinen Fortschritten, aber auch von den noch bestehenden Problemen in der Gruppe.
 
Die Spielabsprachen, die Markus in der Kleingruppe einzuhalten gelernt hat, soll er nun auch im Kindergartenalltag treffen. Gemeinsam überlegen die Pädagoginnen, mit welchen Spielsituationen sie Markus die Umsetzung erleichtern können. Außerdem arbeiten sie Strategien zur Verbesserung seiner Konzentration aus.
 
Markus hat innerhalb eines Jahres große Fortschritte in seiner Entwicklung gemacht. Sowohl die familiäre Situation als auch der Kindergartenalltag haben sich deutlich entspannt. Die Mutter und die Erzieherinnen sehen der Einschulung im kommenden Sommer nun gelassener entgegen.