Konduktive Förderung nach András Petö

Seit April 1997 wird im Zentrum für Frühbehandlung und Frühförderung für Kinder mit Bewegungsstörungen die spezielle Therapieform der Kondukti­ven Förderung nach András  Petö durchgeführt.
Entwickelt wurde dieses Förder- und Rehabilitationskonzept von dem un­garischen Arzt und Pädagogen András Petö und von ihm ab 1948 in Un­garn in die Praxis umgesetzt. Er entwickelte seinen ganzheitlichen Ansatz insbesondere für cerebralparetische und von Spina Bifida betroffene Kin­der.
Im Mittelpunkt stehen eine alltagsorientierte, zu möglichst weitgehender Selbstständigkeit führende Bewegungstherapie und eine individuums- und altersadäquate pädagogische Förderung.
Die Förderung basiert auf der Grundlage aktiven Lernens in Gruppen, wo­durch pathologische Bewegungs- und unangemessene Verhaltensmuster (Dysfunktionen) durch neue, nicht pathologische und adäquate Muster (Orthofunktionen) ersetzt werden sollen.
Ziel ist, neben der bereits erwähnten weitgehenden Selbstständigkeit (im Rahmen seiner Möglichkeiten), die Integration des Kindes in die Gesell­schaft (Partizipation), zu deren aktiven Mitglied es sich entwickeln soll.
Wir haben i. d. R. drei  Gruppen mit insgesamt  zwischen 15 und 20 Kindern, die von einer sog. „Konduktorin“ geleitet werden, die in ihrer spe­ziellen Ausbildung Kompetenzen mit pädagogischen Schwerpunkten und medizinisch-therapeutischen Anteilen erworben hat. Die Förderung findet wöchentlich statt und dauert pro Gruppe zweieinhalb Stunden.
Eine umfassende kinderneurologische Begleitung findet durch die Ärzte des Zentrums, bei Bedarf auch durch andere Fachgruppen (Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen) statt.
Es werden vor allem Kinder mit Cerebralparesen, spastischer, hyperkineti­scher und ataktischer Ausprägung in die Therapie aufgenommen. Die meisten Kinder haben zusätzlich dysarthrische Kommunikationsstörungen und kognitive Defizite, jedoch mit der Voraussetzung, dass ein Sprach- und Handlungsverständnis besteht. Dabei handelt es sich um Kinder, die schon über längere Zeiträume mit herkömmlichen Therapieansätzen be­handelt wurden, ohne dass sich ausreichende Entwicklungsfortschritte (vor allem im motorischen Bereich) eingestellt haben.
Erfahrungen mit nach der Petö-Methode behandelten Kindern haben ge­zeigt, dass der sehr intensive therapeutische Ansatz gepaart mit einer schwerpunktmäßigen lebenspraktischen Förderung auch für schwer kör­perbehinderte Kinder einen sichtbaren Entwicklungszuwachs gebracht hat.
In Nordrhein-Westfalen wird diese Therapie – trotz nachgewiesener Wirk­samkeit durch eine vom Bundesgesundheitsministerium finanzierte dreijährige Studie – nicht von den gesetzlichen Leistungsträgern refinanziert.
Da jedoch eine Finanzierung komplett aus der eigenen Tasche für diese Familien un­denkbar ist, halten wir unser Angebot durch Stiftungsmittel und Spenden aufrecht.